Sonntag, 18. November 2012

Perth III - censored!


Anm. d. Red.; Dieser Artikel wurde aufgrund  brisanter Schilderungen bezüglich real existierender Personen zensiert. Der Schreiber - ja, ich! - dieses Artikels wird zu gegebener Zeit an den unten beschriebenen Ort zurückkehren müssen und würde sich durch eine Veröffentlichung einzelner Textpassagen mit evtl. Repressionen und Schadensersatzansprüchen konfrontiert sehen. Sobald die Gefahr vorüber ist, werden die zensierten Passagen veröffentlicht! :-D      

Das Hostel in dem ich wohnte war schon eine lustige Sache. Ein ehemaliges Industriegrundstück wurde zu einem 100 Personen Haus umgebaut und dementsprechend war immer viel los in der Rainbow Lodge. Der Besitzer des Ladens wurde vom Amt gegängelt, so dass ich - ich bin in der Zwischenzeit in ein 4er Zimmer umgezogen - mich plötzlich mit heraus genommener Zimmertür de facto in einem 32-Bett Zimmer wiederfand – Schullandheim hurra! Die Leute, die ich traf waren zumeist Europäer und es wurden zum Ende hin immer mehr Deutsche, ein ständiges Kommen und Gehen. Wobei es auch viele Leute gab, die nahezu dauerhaft dort wohnten und ich traf einen netten Kollegen aus Neuseeland, der dies schon vier Jahre lang in verschiedenen australischen Hosteln tat. Trotz des ganzen hin und hers war auf einen Typus Mensch immer verlass: Engländer.

Man weiß viel über sie – meist ist dieses Wissen durch Vorurteile bestimmt und ich erfuhr schlussendlich, dass dem auch so ist. Wenn ich mir eine gewisse Trinkfestigkeit und Kondition dies bezüglich durchaus zu schreiben kann, so wird das vom Engländer noch übertroffen – bei Weitem! Meist treten sie in Rudeln auf und legen immer dasselbe Verhalten an den Tag. Morgens trinken, arbeiten, abends trinken und nachts trinken, bis das Ganze wieder von vorne los geht. Well done! Man bleibt meist unter sich und begeht das obligatorische Auslandsjahr so, dass man nicht Gefahr läuft eine neue Sprache lernen zu müssen. Urlaub von zu Hause, zu Hause!

[ZENSIERTER ABSATZ]

[ZENSIERTER ABSATZ]

[ZENSIERTER ABSATZ]

[ZENSIERTER ABSATZ]

Nach England wende ich mich jetzt wieder Europa zu. Meiner einer macht dieses Jahr in Australien um eine neue Sprache, ein neues Land und eine neue Kultur kennen zu lernen – ähnlich wie Michael Ballack damals bei Chelsea, nur bei nicht ganz so üppiger Bezahlung. Ich traf viele Menschen – vor allem Italiener und Iren – die das Ganze nicht aus Spaß an der Freude machten, sondern aus Perspektiv- und Arbeitslosigkeit in ihren Heimatländern dazu getrieben wurden. Diese arbeiteten hart und hofften auf eine bessere, fernere Zukunft in Europa. Eine Zukunft, die ich so betrachtet, gar nicht abwegig finde. Denn was bei mehreren Gesprächen mit Spaniern, Italienern, Franzosen und – auch ja – Engländern zu Tage kam, war ein gemeinsamer europäischer Gedanke, der ziemlich stark zu sein scheint. Gut, in Berlin ist dies auch der Fall, doch liegt das meiner Meinung nicht am Streben nach einer gemeinsamen europäischen Zukunft sondern eher am billigen Bier, der exzellenten  Club- und Kneipenszene, dem hochgelebten Hipstertum, dem „en vogue“ Image der Stadt und nicht zuletzt an easyjet.    

Um jetzt nicht in Poltik und Soziologie zu verfallen und mich womöglich noch Beethovens-9te-trällenderweise eine neue „Charta Europa“ schreiben zu sehen, geht es wieder in Down Under weiter.

Eine Nähe zu England ist unverkennbar, aber trotzdem trennen sie Welten. Der Ire ist ein netter, gesprächiger Mensch und zögert keine Sekunde damit seinen hart verdienten Tageslohn im Handumdrehen in noch härteres Hochprozentiges zu investieren. Versteht man den Iren anfänglich nur so halbwegs – vor allem wen er schnell spricht – so lässt die Verständlichkeit im Laufe des Abends immer weiter nach und anstatt sich weiterhin selber zu äußern, lässt er lieber seine Fäuste sprechen. Nie gegen Fremde – und nur in diesem Punkt sind sich Iren mit den Engländern ähnlich: Mann bleibt unter sich. Ein Gespräch mit vier Iren und einer Irin endete damit, dass ich nach einer Weile nur noch 2 Gesprächspartner zur Verfügung hatte, während sich die beiden anderen am Tisch erst mit Fäusten auf den Oberkörper malträtieren, um dann schlussendlich 10 Minuten lang im griechisch-römischen Stil ineinander zu verharren – bloß nicht nachgeben! Nach der kleinen Showeinlage war dann auch alles wieder sofort gut, nur die Verständlichkeit war jetzt ganz verloren gegangen. Ich verstand kein Wort mehr und nun weiß ich auch wo der Dub-Step seine Inspiration her nimmt.

Ich weiß nicht woran es liegt, aber sowohl in einem Café (eigentlich war es eine Kneipe, ich war aber noch nicht betrunken!) hielt mich ein Mädel - wohl aufgrund meines weiß/grünen Shirts - für einen Ir(r?)en, als auch die Frau von der Jobagentur. Letztere musterte mich und ihre zweifelnde Nachfrage auf irische Vorfahren konnte ich mit dem „Friedrich Rudolf“ in meinem deutschen Reisepass recht schnell und gekonnt abschmettern.         

Neben Europa war auch Asien in der Rainbow Lodge vertreten. Ein lustiger alter Mann so um die 50 Jahre ließ es sich nicht nehmen, in diesem Hostel für eine Woche einzuchecken, um somit auf das Alter bezogen einen krassen statistischen Ausreißer darzustellen. Nicht nur auf das Alter bezogen entsprach dieser Mann keiner Norm. Er war nicht nur ein statistischer Ausreiser, sondern auch ein "sich selbst Ausgrenzer". Die Türen in unserem Hostel waren nicht mit den handelsüblichen europäischen Türklinken versehen, sondern sie besaßen Rundknäufe, die eine Drehung der selbigen voraus setzten, um die Tür schlussendlich zu öffnen. Eine Aufgabe die nicht leicht zu meistern scheint.

Der nette asiatische Mann wollte um halb acht abends nur mit Feinripp-Unterhemd und -unterhose das Zimmer verlassen und begegnete der Tür somit freundlich und offen. Nur die Tür spielte nicht mit, denn sie war geschlossen. Auf ein erstes freundliches Shake Hands zwischen dem Asiaten und dem Türknauf, das für den Asiaten nicht zum erhofften Passieren führte, folgte ein Navy Seal-gleiches Abtasten des Tür Rahmens und der gesamten Tür. Nur ließ diese sich davon nicht beirren und begegnete ihm gegenüber weiterhin sehr verschlossen. Ein mehrfaches, kumpelhaftes „Hey Buddy!“-Klopfen auf die Schulter der Tür folgte ebenfalls zu keinem positiven Ergebnis. Der Asiate – nicht dumm – legte sich nun auf die Lauer und versteckte sich wenige Zentimeter neben der Tür, umso aus Ihrem Sichtbereich zu gelangen. Eine Minute später, die Tür war nachlässig und unaufmerksam geworden, trat ein Kerl – natürlich Engländer – vom Flur in das Zimmer ein und öffnete gekonnt und wie geübt die Tür von außen und stoß sie auf. Diesen Moment nutze der Asiate eiskalt aus und huschte mit einem netten Lächeln auf dem Gesicht - dem Engländer und nicht zuletzt der Tür dankend - aus dem Zimmer Richtung Flur.             

Im selben Zimmer wie ich schlafend, schien ihm das einfache Schlafen des Nachts nicht genug, so unterhielt er die restlichen 30 Leute und mich mit interessanten asiatischen Monologen. Selbe besondere Gewichtigkeit seiner Aussagen traf mich am nächsten Tage unverhofft. Freundlich und wild gestikulierend bat er mich in seiner Muttersprache – vermutlich chinesisch – ihm eine Auskunft zu erteilen. Seine Körpersprache ließ dies vermuten, was anderes konnte ich bei Ihm nicht verstehen. Auf meine bitte hin, dass ich ihn nicht verstehen könne und er doch bitte auf Englisch reden solle, erwiderte er nur ein „Englisch not good“ um dann nahtlos wieder in seiner Muttersprache mit mir zu kommunizieren. Hielt er mich tatsächlich für einen Asiaten? Ich bitte doch sehr. Dann schon eher Ire – nicht zuletzt wegen der Trinkfestigkeit…        

3 Kommentare:

  1. Wie kommen nur immer diese Asiaten mit irischen Wurzeln an einen deutschen Pass?
    Ich sehe, du hasst Spaß;)

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  2. "alter Mann so um die 50 Jahre": Hey, wofür hälst du mich eigentlich? Gruftiger Greis?

    Ansonsten: schreib weiter so, ist sehr unterhaltsam!

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  3. Keine Angst, lieber Carlo, Asiaten sehen halt immer nur 20 Jahre älter aus! Du rockst immer noch so, wie das der Herr Springsteen tut ;-).

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